ZWEIKLASSENKULTUR IN NORDFRIESLAND   (07.2016)
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Nachtrag als Vorwort (18.04.2017): Das Land S-H hat unter Federführung des SSW die Kulturvermittlung an Schulen gefördert. Konkret wurden 37 Projekte an 30 Schulen realisiert. Darunter befand sich jedoch keine einzige Gemeinschaftsschule. Lediglich Grundschulen und vor allem wieder die Gymnasien haben von diesem Projekt zur Kulturförderung profitiert. Dieses Beispiel zeigt, wie real die Ungleichbehandlung in Bezug auf kulturelle Bildung in Schleswig-Holstein tatsächlich ist.

Es herrscht ein Ungleichgewicht. Während die Schüler auf den Gymnasien mit Kulturangeboten geflutet werden (als Beispiel ist die Kooperation der Hermann-Tast-Schule und der Theodor-Storm-Schule mit dem Landestheater zu nennen), überlegt man beispielsweise noch auf der Gemeinschaftsschule Nord, ob man überhaupt Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit mit dem Theater aufnehmen soll. Für die Schüler der Gymnasien hingegen werden sogar noch weitere Stücke bei unabhängigen Theatern in Auftrag gegeben. So ist es Anfang des Jahres geschehen. Es wurden "Die Brüder" von Terenz gegeben, allerdings nicht aus künstlerischen Beweggründen, sondern weil der Originaltext als Stoff im Abitur verwendet wird. Hinzu kommen weitere Künstler, klassisch ausgebildete Musiker und Literaten, die neben ihren öffentlichen Auftritten in Husum fast noch automatisch einen zusätzlichen Workshop in den Gymnasien geben. So war es einmal mehr mit jenen Musikern geplant, die am 22. Juni auf den Neue-Musik-Veranstaltungen von Herrn Schenke aufgetreten sind. Während aber die Gymnasiasten nach dem Abitur oftmals zum Studieren fortziehen, bleiben die Absolventen der Gemeinschaftsschulen viel eher in der Region verwurzelt. Hieraus ergibt sich auch das existenzielle Dilemma des Landestheaters. Man versäumt es schlichtweg, die Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt in der Region haben, von Anfang an mit anspruchsvollen Inhalten von Theater, Literatur und Kunst zu konfrontieren, obwohl man prinzipiell weiß, wie wichtig das ist. Zum Teil ist die kulturelle Ungleichbehandlung der Bevölkerung sogar gewollt, denn wer sich die Argumente aus der letzten Kreistagsdebatte zum Verbleib des Kreises in der Landestheater GmbH vergegenwärtigt, findet die Stimmen, die das Theater als elitäre Einrichtung für eine vermeintlich gebildete Gesellschaftsschicht verstehen wollen. Man will die soziale Differenz, um sich abzugrenzen. Hier findet ein Klassendenken statt, das mit der Ungleichbehandlung der Schüler in Bezug auf eine Konfrontation mit Kunst beginnt.


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