
Niebüll. Weil die Forderung nach einem Mindesthonorar für auftretende Autoren auf einer Kulturveranstaltung „Das Superding 2026“ rufschädigend für den Veranstalter (Neue Färberei Niebüll) wirkt, droht Vorstandsmitglied Lars Brodersen mit Verleumdungsklage. Mitveranstalter Ambroise Gaglo vom Afrikanetzwerk TANON cancelt den Kritiker gleich für alle Zeit.
Die Botschaft, die sich aus dem Verhalten der Veranstalter herauslesen lässt, ist die Folgende: Wer bei uns Missstände aufdeckt und kritisiert, den machen wir fertig!
Hintergrund ist, dass der gemeinnützige Kulturverein „Neue Färberei Niebüll“ im Rahmen seiner Großveranstaltung „Das Superding 2026“ neben musikalischen Beiträgen auch eine Lesebühne und einen Poetryslam plant. Wie sich am 15.1. in einem Telefonat mit Gaglo herausstellte, sollen allerdings Autoren und Poeten (anders als andere Künstler) kein Geld erhalten, um sich finanzieren zu können, obwohl deren Leistungen genutzt werden. Gleichzeitig kassieren die Veranstalter aber Eintrittsgelder, um eigene Kosten und die Kosten anderer Künstler zu decken. Laut Gaglo dürfe bei den Lesungen dann nicht einmal der Spendenhut rumgehen, „weil die Besucher ja schon Eintritt bezahlt haben“. Von diesen Einnahmen sehen Autoren und Poeten aber wie gesagt nichts und die Besucher zahlen dafür, dass Teile der Künstlerinnen und Künstler, die sie sich ansehen, keine Gage erhalten.
Veranstalter etablieren Zweiklassenkultur zum eigenen Vorteil
Die Veranstalter etablieren hier eine Zweiklassenkultur, die auf der maximalen Ausbeutung eines Teils der Künstlerschaft beruht. Gleichzeitig wird den Autoren, die man aktiv kontaktiert, verkauft, dass es ein Akt der Großzügigkeit sei, sie überhaupt auftreten zu lassen. Wer dem nicht zustimmt, wird wieder ausgeladen. Noch schlimmer ist dann aber das harte und einschüchternde Vorgehen gegen Kritiker, die sich für das Einhalten von Mindeststandards auf solchen Veranstaltungen einsetzen.
Bürgerinnen und Bürger sind aufgefordert, solche Veranstaltungen zu boykottieren. Werbe- und Kooperationspartner können darauf hinwirken, dass sich die Zustände ändern. Sie tragen eine Mitverantwortung dafür, dass diese ungleichen Zustände bestehen.
Uneinsichtigkeit in die eigenen Fehler
Nach meinem Kenntnisstand haben sich die Veranstalter in Sachen Honorarpolitik nicht bewegt. Ich erwarte ein öffentliches Statement, in dem klargestellt wird, dass für alle auftretenden Künstler dieselben Bedingungen gelten. Sollte es so sein, dass den Autoren inzwischen doch Gagen gezahlt werden und nur noch ich als Kritiker ausgeschlossen bleibe, weil ich es gewagt habe, den Missstand öffentlich zu machen, bleibt die durchklingende Botschaft der Veranstalter unverändert: Wer Missstände bei uns aufdeckt und kritisiert, den machen wir fertig!
Ich stelle klar: Ich will auftreten; denn ich habe künstlerisch etwas zu sagen! Allerdings erwarte ich, dass das unter denselben Bedingungen geschieht, die auch für alle anderen gelten.
Fehlende Kulturkritik degeneriert Kunst
Dass Künstlerinnen und Künstler in Nordfriesland so unter Druck gesetzt werden können, wie es sich die Veranstalter hier erlauben, hat auch mit dem Rückgang der Presselandschaft zu tun. Kulturkritik ist in Nordfriesland kaum mehr möglich, weil es aufgrund des Zeitungssterbens auch immer weniger unabhängige Berichterstattungen gibt. Inzwischen berichten die Vereine oft selbst über ihre eigenen Veranstaltungen, auch beim SH:Z. Das alles wirkt sich auf die Qualität der Kunst aus, die zu Wellness- und Werbekontexten degeneriert.
Jan-Christian Petersen
Eigenwerbung
