Deutsche Gedenkstätten gegen KI-Geschlabber

Deutsche Holocaust Gedenkstätten gegen AI slop / KI-Geschlabber
Deutsche Holocaust Gedenkstätten gegen AI slop / KI-Geschlabber

Gefälschte KI-Bilder zerstören unser kollektives Gedächtnis. Am 13. Januar 2026 schickte das Deutsche Netzwerk für Digital History And Memory einen offenen Brief an Social-Media-Plattformen. Die Plattformbetreiber sind aufgefordert, effektiv gegen KI-Fälschungen vorzugehen. Hier finden Sie den originalen offenen Brief auf einer deutschen Webseite des Netzwerks.

„Wir – Einrichtungen historisch-politischer Bildung – sehen das in letzter Zeit massive Auftauchen von erfundenen KI-generierten Inhalten (AI-Slop) zum Nationalsozialismus auf Social Media-Plattformen mit großer Sorge. Diese Postings verfälschen die Geschichte durch Verharmlosung und Verkitschung und verändern die Sehgewohnheiten der Nutzer*innen, die zunehmend auch authentische historische Dokumente anzweifeln. Mit jedem dieser Postings wird die Arbeit von Gedenkstätten, Archiven und Forschungseinrichtungen entwertet und ihre Glaubwürdigkeit untergraben“, heißt es in dem offenen Brief.

Hier schlagen dutzende deutsche Holocaust-Gedenkstätten und Forschungseinrichtungen einen Alarm, der uns alle betrifft: unsere Museen, Archive und Kulturinstitutionen. KI-Fälschungen untergraben deren Glaubwürdigkeit. Dieses so genannte KI-Geschlabber (AI-Slop) ersetzt Dokumente und Fotos, die ihren festen Platz in der Geschichte haben, durch fiktive Bilder und gefälschte Erzählungen.

„Diese umgangssprachlich als AI-Slop bezeichneten Inhalte zeigen beispielsweise vermeintliche Situationen in nationalsozialistischen Lagern oder bei deren Befreiung. Diese zeichnen ein extrem verzerrtes und falsches Bild. Beispielsweise kursieren KI-generierte Bilder, die ein angebliches Wiedersehen zwischen Gefangenen und Befreiern zeigen, oder erfundene Szenen weinender Kinder hinter Stacheldraht. Mit Künstlicher Intelligenz werden hier Inhalte erstellt, die aus Versatzstücken historischer Fakten und emotionalisierter Fiktion bestehen.

„Hinter diesen Inhalten stehen unterschiedliche Motive: Zum einen nutzen sogenannte Content-Farmen die emotionale Wucht des Holocaust, um mit minimalem Aufwand maximale Reichweite zu erzielen. Ein Geschäftsmodell, das auf Klicks und Werbeeinnahmen basiert. Zum anderen werden diese Inhalte gezielt eingesetzt, um historische Fakten zu verwässern, Opfer- und Täterrollen zu verschieben oder revisionistische Narrative zu verbreiten. Die Algorithmen der Plattformen begünstigen dabei emotional aufgeladene Inhalte, unabhängig von deren Wahrheitsgehalt“, heißt es in dem offenen Brief.

Wir, die wir mit echten Geschichtsbüchern aus zuverlässlichen Quellen aufgewachsen sind, können noch sagen, was eine historische Erinnerung ist. Zukünftige Generationen werden dazu nicht in der Lage sein. KI-Geschlabber überschwemmt deren Sinne. Es prägt innere Bilder von historischen Ereignissen und Personen durch eine schier unendliche Masse an Fälschungen, die echte Inhalte überwältigt und wegspült.

Jan-Christian Petersen

Eigenwerbung für mein neues Buch zum 20.1.2026