Im Mai 1945 kapitulierte die Wehrmacht. Dem Ereignis wird in Schleswig-Holstein am 8. Mai und in Dänemark am 5. Mai gedacht. Die Widerstandskämpferin Else Marie Pade saß damals im Gefangenenlager Frøslev bei Flensburg. Als Komponistin war sie eine Pionierin der konkreten elektronischen Musik. Pade hätte in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert. Ihr zu Ehren ist mein Gedicht Kopenhagen entstanden.
Kopenhagen – ein prosaisches Gedicht frei nach Else Marie Pades Symphonie magnetophonique:

Pades Originalwerk Symphonie magnetophonique beschreibt 24 Stunden im Alltag der Stadt Kopenhagen. Basierend auf Pades Klangkollage ist mein prosaisches Gedicht entstanden. Es wurde gelesen von Philipp von Schön-Angerer (Theater Kiel). Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zur Lesung auf YouTube. Nutzen Sie alternativ diesen Link.

Else Marie Pade zum 100. Geburtstag – Widerstandskämpferin und Komponistin
Else Marie Pade (1924 – 2016) wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. Die dänische Komponistin wurde am 2. Dezember 1924 in Aarhus geboren. Dort wuchs sie auf. Am 9. April 1940 wurde Dänemark von den Nazis besetzt. 1944 schloss sich Pade einer rein aus Frauen bestehenden Widerstandsgruppe an. Am 13. September 1944 wurde sie von der Gestapo verhaftet und ab dem 23. Oktober desselben Jahres im Internierungslager Frøslev bei Flensburg gefangen gehalten. Dort erlebte sie auch die Befreiung ihres Landes von den Nazis am 5. Mai 1945.
Else Marie Pades Werke sind bei Dacapo Records Dänemark erschienen und können auch auf YouTube gefunden werden. Neben dem lebensbejahenden „Symphonie magnetophonique“ wirkt das Stück „Face It“ wie das genaue Gegenteil. Es ist mit verfremdeten Hitlerreden durchsetzt.
Eine kurze Geschichte des Befreiungstags in Dänemark
Am 8. Mai 1945 kapitulierte die Deutsche Wehrmacht endgültig. Der Zweite Weltkrieg fand sein Ende. Doch in Teilen von Nordwesteuropa hatte der Rückzug bereits Tage zuvor begonnen. Schon am 4. Mai, und zwar um 20.35 Uhr sendete die britische BBC eine Nachricht nach Dänemark, die von Radiosprecher Johannes G. Sørensen verkündete wurde: „Hier ist London. Wir wiederholen. Montgomery hat in diesem Augenblick mitgeteilt, dass sich die deutschen Truppen in Holland, Nordwestdeutschland und Dänemark ergeben haben.“
Zu dem Zeitpunkt, als die Nachricht gesendet wurde, hielten die Dänen ihre Häuser aus Angst vor deutschen Angriffen verdunkelt – teils seit fünf Jahren. Nun rissen viele von ihnen die Schutzvorhänge herunter und stellten Kerzen in die Fenster: Lichter, die als Zeichen der Hoffnung in die Dunkelheit strahlten. Noch heute wird der Brauch, ein Kerzenlicht ins Fenster zu stellen, am Abend eines jeden 4. Mai in Dänemark von vielen Menschen gepflegt. Es markiert den Beginn der Feierlichkeiten um den Befreiungstag; denn tatsächlich trat die eigentliche Kapitulation der Nazis in Dänemark offiziell am 5. Mai 1945 in Kraft. Darauf hatte sich Generalfeldmarschall Montgomery auf Seiten der Alliierten mit dem deutschen Großadmiral Dönitz in Flensburg geeinigt. Der 5. Mai gilt deshalb in Dänemark als Tag der Befreiung.
Deutsche Verantwortung in Schleswig-Holstein
Uns Deutschen als Nachfahren im Land der Täter kommt eine besondere Verantwortung zu. In Schleswig-Holstein ist es der 8. Mai, der im Gedenken an die Befreiung vom Naziregime offiziell gepflegt wird. Aufgrund der Geschichte werden wir diesen Tag nie auf Augenhöhe mit unseren europäischen Nachbarn begehen können. Was uns aber heute mit unseren europäischen Nachbarn verbindet, ist das gemeinsame Handeln für eine Welt, in der Menschen den Mut finden, sich autokratischen Bestrebungen und kriegerischen Regimen in den Weg zu stellen, um für Frieden und Völkerverständigung einzutreten.
Mehr zum 8. Mai in Schleswig-Holstein gibt es auf der Internetseite des Initiativkreises Gedenktag 8. Mai. Mein Dank gebührt außerdem Ellen Dorn, Isabel Baumert und Philipp von Schön-Angerer vom Theater Kiel sowie Søren Pold von der Universität Aarhus.